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Franz Böhmisch, Die Nabatäer
Die Baityle - die Religion der heiligen Steine

Literatur
Manfred Hutter, Kultstelen und Baityloi. Die Ausstrahlung eines syrischen religiösen Phänomens nach Kleinasien und Israel, in: Bernd Janowski/ Klaus Koch/ Gernot Wilhelm (Hg.), Religionsgeschichtliche Beziehungen zwischen Kleinasien, Nordsyrien und dem Alten Testament. Internationales Symposion Hamburg (Orbis Biblicus et Orientalis, 129), Freiburg CH 1993, 87-108.

Wenn wir ins Nabatäergebiet kommen, so begegnen uns wie im gesamten Gebiet des Vorderen Orients und Kleinasiens zwei Sorten von Steinmalen, die Baityle und die Nefesch-Steine. Was für uns archäologische Relikte darstellen, waren in der Religion der Nabatäer und generell des vorislamischen Orients heilige Steine, denen hohe Verehrung zukam. Noch Philo von Byblos (um 100 n.Chr.) kennt in der Spätzeit "beseelte Steine" (lithoi empsychoi), die er betylia oder baityloi nennt. Dies ist nichts anderes als das ins Griechisch eingedrungene semit. Lehnwort Bet-El bzw Bait-Il, wörtl. Haus Gottes. Die Zeugnisse von solchen Steinen im Raum von Syrien, Phönizien bis nach Arabien zeigen, wie weit verbreitet einmal dieser Steinkult war. 

Viele der in der Baetylolatrie verehrten Steine waren vom Himmel gefallen, und zwar im wahrsten Sinn des Wortes, da es sich um Meteoriten handelte. Der bekannteste, heute noch von immerhin 600 Mill. Menschen, nämlich von den Muslimen verehrte hl. Stein, ist der Schwarze Stein der Kaaba in Mekka (= Würfel; würfelförmiges Gebäude). 

Auch in Jakobs Traum in Bet-El (Gen 28), in dessen Auslegungsgeschichte man fälschlicherweise traditionell von der "Himmelsleiter" spricht und dementsprechend in der Kunst dargestellt hat, spielt der Stein Gottes eine große Rolle: es handelt sich im ursprünglichen kanaanäischen Zusammenhang um eine Himmelstreppe der Götter bzw. der göttlichen Wesen. Eine ähnliche Vorstellung liegt wohl auch den Babylonischen Tempeltürmen zugrunde. Nach Philo von Byblos verstand man ja darunter einen "beseelten" Stein, d.h. daß man sich in ihm die Gottheit irgendwie gegenwärtig dachte. Der Stein von Bet El wurde, wie Gen 28 zeigt, mit Öl gesalbt und wie eine Personifikation Gottes behandelt. In Gen 28 ist der Stein jedoch in der letzten Textgestalt nicht mehr selbst die Repräsentation Gottes, sondern zu einem Gedenkstein an die Heiligkeit des Ortes depotenziert.
Die Polemiken im Alten Testament gegen die Masseben, die Kultstelen, zeigen, wie sich die israelitische Religion aus dem polytheistischen Umfeld langsam herauslöste und dabei den Kult der heiligen Steine zurückdrängte.

 
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