| Der
Totenkult: Nefesch
Philo von
Biblos hat mit seinem Begriff der lithoi empsychoi
das Baityl (lithos) und den Nefesch
(psyche) verschmolzen. Diese sind jedoch von ihrer Herkunft strikt zu unterscheiden.
Vgl. das
Urteil von Manfred Hutter:
"Es läßt
sich ganz klar die kultische Bedeutung einer Stele als Baitylos/Repräsentant
einer Gottheit von der Aufrichtung eines Steines zu Kommemorativzwecken
unterscheiden, wobei allerdings aufgrund der formalen Gleichheit des Monuments
sekundär gegenseitige Beeinflussungen vorkommen. Ursprünglich
sind jedoch Kultstelen von Gedeksteinen zu unterscheiden" (Hutter, Kultstelen
und Baityloi, 87).
Ist der
Baityl als göttlicher Ort quadratisch oder eine Stufenpyramide,
so ist der Nefesch kegelförmig oder menschengestaltig.
In Palmyra
hieß jede Stele, die einen Menschen darstellt, Nefesch. Nefesch
ist aramäisch und bedeutet die Einheit von Leib und Seele. Es entspricht
etymologisch dem arabischen nafs. Im Koran wird nafs, die
Seele, die Versuchungen ausgesetzt ist, von ruch, dem reinen Geist,
unterschieden. Ein Nefesch steht für die Person. Diese Spitzpfeiler
sind mit dem Totenkult verbunden und werden oft mit Obelisken verwechselt.
Ein Nefesch dient der Erinnerung an einen Verstorbenen in einem
Grabmal oder im Freien. Eine Inschrift auf einem Nefesch, die von
J. Starcky 1965 veröffentlicht wurde (Vgl. Lindner, Petra 44) hat
den Wortlaut:
"Dies
ist der Nefesch des Petraios, Sohn des Threptos; und er ist geehrt worden,
weil er in Raqmu war; der gestorben ist in Garschu (Gerasa) und dort begraben
wurde; Taimu hat ihn für ihn gemacht, sein Lehrer".
Wir haben
hier den alten vorgriechischen Namen für Petra, nämlich Räqäm,
aramäisch Raqmu, sowie Garschu für Gerasa.
Es mischen
sich unter hellenistischem Einfluß Baityl und Nefesch immer mehr:
So gibt es in Umm-el-Dschammal nördlich von Amman rechteckige Nefesch-Stelen,
in Byblos pyramidenförmige Baityle.
In Petra
gehören zu den Grabensembles, die mit Nefesch-Stelen ausgestattet
sind, zumeist Triklinien für die Totenmähler zu Ehren der Verstorbenen. |