| Das
Reich der Nabatäer
Die Nabatäer
treten 312 v. Chr das erste Mal in Erscheinung, als sie sich in Petra erfolgreich
gegen den Angriff von Antigonos I erwehrten, wovon der Historiker Diodorus
Siculus (50 v.Chr.) 19.95 in einem Zitat von Hieronymus von Cardia berichtet.
Der Feldherr Athenaios kam mit 4000 Fußsoldaten und 600 Reitern,
um die Nabatäer zu unterjochen und damit den Weg für einen Feldzug
nach Ägypten frei zu machen. Nach Diodorus eroberten die Griechen,
als die nabatäischen Männer einen Markt aufsuchten, einen schwer
zu bezwingenden Berg, aber ohne Mauern, wo die Nabatäer Frauen, Kinder
und alte Leute zurückgelassen hatten, und erbeuteten Weihrauch und
Myrrhe sowie 500 Talente Silber. Die zurückgerufenen Nabatäer
kamen nachts über die nachlässig bewachte Griechenschar, von
der nur 50 entkommen konnten. Am nächsten Morgen boten die Nabatäer
angesichts der griechischen Übermacht des Antigonos brieflich einen
Waffenstillstand an. Nun zog Demetrios, der Sohn des Antigonos, mit 4000
Fußsoldaten und 4000 Reitern heran, wurde aber von den N. besiegt.
Diodor nennt sie auch als große Händler im Gewürzhandel
mit Süd-Arabien auf der Weihrauchstraße. Antigonos suchte sie
auch aus dem Asphalthandel mit Ägypten zu verdrängen, wozu er
den Gewährsmann des Diodor von Sizilien, Hieronymus von Kardia, beauftragte.
In einer Schlacht auf dem Toten Meer wurde auch dieser vertrieben. Die
Nabatäer konnten sich in der Folge dauerhaft als Pufferstaat zwischen
den hellenistischen Großreichen und Arabien etablieren. In der Wahrnehmung
der griechischen Schriftsteller inklusive Flavius Josephus und Paulus erhielten
sie daher den Namen Araber und ihr Land die Bezeichnung Arabia. 259 sind
die Nabatäer in den Zenonpapyri erwähnt als ethnographische Größe
im Gebiet zwischen Hauran im Norden und dem Nördlichen Transjordanien.
Nach Diodorus 3.43.5 eroberten Sie im 2. Jh. die Küste zum Roten Meer
hin und plünderten ptolmäische Handelsschiffe. Als die bisherigen
südarabischen Reiche der Minäer und Sabäer ihre führende
Rolle im Handel einbüßten, übernahmen die Nabatäer
den Fernhandel, der aus Arabien indische Gewürze in die Mittelmeerwelt
brachte, und wenig später auch den Handel, der von der Seidenstraße
aus China und Persien ihr Land Richtung Ägypten und den Mittelmeerhäfen
kreuzte. Darüber berichtet Strabo (16.4.18). Entlang der Karawanenrouten
bauten die Nabatäer unzählige Handelskolonien auf, so daß
man sich ihr Reich eher nach venenzianischem Muster vorstellen muß.
Das Reich der Nabatäer definierte sich nur in zweitem Grade territorial
und war sehr offen für die Umwelt, solange Fremde sich nicht an den
Hauptrouten und damit die Handelsinteressen vergriffen. Ihre Tempel, die
sie in den Handelsniederlassungen bauten, finden sich bis nach Rom, ebenso
ihre Inschriften und Weihetafeln.
Die Zeit
des nabatäischen Königtums beginnt sehr spät um etwa 168
v. Chr. mit Aretas I, gefolgt von Rabel I, von dem man kaum etwas weiß,
und Aretas II, der von etwa 110 - 96 v. Chr. regierte. Obodas I, der ihm
von ca. 96 bis 87 folgte, wurde abgelöst von Aretas III, der 87-62
ganze 25 Jahre regierte. Nach ihm kam ein kurzes Intermezzo von Obodas
II von 62-60, dem dann ein langes Königtum des Malichus I von 60-30
folgte. Maliku heißt arabisch nur der König. Obodas III leitete
von 30-9 das Nabatäerreich, bevor dann der biblische Aretas IV. ein
halbes Jahrhundert bis 40 n. Chr. König war. Malichus der II regierte
von 40-7, Rabel II von 70 -106, als die Römer von Syrien aus das nabatäische
Reich unterwarfen und Koile-Syrien eingliederten. Die nach 106 folgende
nabatäische Periode nennt Wenning die subnabatäische Phase und
trennt sie ganz strikt von der eigentlichen nabatäischen Geschichte
ab. Die Nabatäer konnten sich zunächst auch unter römischer
Herrschaft ihre Identität bewahren, expandierten weiter in den Negev,
bis sie in Hellenisierung und Christianisierung so in den multiethnischen
und multikulturellen Gesellschaften des hellenisierten Orients aufgingen,
daß sie aus der Geschichte spurlos verschwanden. |